Konfliktkosten im Unternehmen: Den Konflikt klären – oder nicht?

Konfliktkosten im Unternehmen: Den Konflikt klären – oder nicht?

„Konflikte haben wir nicht und brauchen wir nicht …“, „sind bei uns nicht so schlimm …“, „hat doch jedes Unternehmen …“. Solche und ähnliche Gedanken sind verständlich. Sie helfen beim Ignorieren oder gar Verdrängen – sind jedoch nicht hilfreich und letztlich: „Pfeifen im Wald“.

Denn Konflikte verschwinden nicht dadurch, dass man sie übersieht. Sie verursachen Kosten – Tag für Tag. Eine nüchterne Betrachtung der Konfliktkosten im Unternehmen ist deshalb eine der wirksamsten Entscheidungshilfen, die Führungskräfte und HR-Verantwortliche haben, wenn die Frage im Raum steht: angehen oder aussitzen?

Wie häufig sind Konflikte wirklich? Ein Stimmungsbild aus der Praxis

Vor einigen Tagen durfte ich einen virtuellen Workshop mit Unternehmensvertretern gestalten, die sich auch über ihre Wahrnehmung von Konflikten im eigenen Bereich ausgetauscht haben. Die Ergebnisse (jeweils starke Mehrheitsnennungen):

  • In meinem Bereich erlebe ich Konflikte immer mal wieder bis häufig.
  • Die belastende Wirkung auf Produktivität und Zusammenarbeit bewerte ich als massiv.
  • Am ehesten problematisch sind Konflikte persönlich zwischen Einzelnen sowie für die Teamzusammenarbeit.

Also doch häufiger und massiver in der Wirkung, als sich Führungspersonen und HR-Verantwortliche das wünschen.

Weiterpfeifen im Wald – oder handeln?

Nichts zu tun ist natürlich eine legitime Option und nicht zu verurteilen. Die Alternative wäre, etwas zu unternehmen, zum Beispiel:

  • Organisationale Konsequenzen: Konfliktparteien durch Versetzung, Trennung oder veränderte Struktur- und Ablauforganisation voneinander separieren
  • Personalrechtliche Konsequenzen: Er-/Abmahnung bis hin zur Kündigung
  • Klärung oder Mediation des Konfliktes
  • Veränderte, stringentere Führung plus gegebenenfalls flankierendes Coaching
  • Teambuilding zur Stärkung der Zusammenarbeit

Alles mögliche Handlungsalternativen – die jedoch auch Aufwand und Kosten mit sich bringen.

Konfliktkosten: Was ungelöste Konflikte tatsächlich kosten

Um zu einer klugen Entscheidung zu gelangen, ob und welcher Umgang mit dem Konflikt ratsam ist, hilft die Betrachtung der Konfliktkosten – also der Kosten, die bei Aufrechterhaltung der aktuellen Dynamik entstehen.

Es ist gar nicht so kompliziert, sich zumindest näherungsweise ein Bild dieser Kosten zu machen. Denn Sie kennen die Lohn- und Gehaltskosten Ihrer Mitarbeitenden und können die Produktivitätsverluste einschätzen. Stellen Sie sich die anfallenden Kosten vor und bewerten Sie sie:

  • Produktivitätsminderung der vom Konflikt betroffenen Mitarbeitenden
  • Zusätzlich aufgewendete Zeiten für Seitengespräche, Kommunikation über den Konflikt, Fraktionsbildung
  • Fehlzeiten durch erhöhte Krankenstände und Lohnfortzahlungen
  • Aufwände für notwendige Vertretungen oder externe Dienstleister
  • Motivationsverlust, innere und tatsächliche Kündigung
  • Aufwendungen für Recruiting und Einarbeitung
  • Erhöhte Aufwendungen für Führung, Rechtsberatung und HR
  • …

Die Liste ist nicht abschließend. Sie soll Sie inspirieren, Ihre eigenen Konfliktkosten abzuschätzen.

Die Entscheidung: Kosten der Klärung gegen Kosten des Nichtstuns

Und dann die Frage: Will oder muss ich den Konflikt angehen? Stehen die Kosten der Klärung in einem guten Verhältnis zum erwarteten Effekt bei Erfolg?

Ich habe großen Respekt vor diesen Überlegungen – und Achtung vor der Verantwortung, die zuständige Managerinnen und Manager damit wirksam wahrnehmen.

Sie möchten die Konfliktkosten in Ihrem Bereich einschätzen oder einen konkreten Konflikt klären?
In einem ersten, kostenlosen Telefonat schauen wir gemeinsam auf Ihre Situation.

Klärungshilfe bei Konflikten in Unternehmen

Klärungshilfe bei Konflikten in Unternehmen

In vielen Organisationen gehören Konflikte zum Alltag – doch manche Spannungen entwickeln eine Eigendynamik, die Teams, Führungskräfte und letztlich die gesamte Unternehmenskultur stark belasten – und erhebliche Kosten verursachen. In diesem Artikel zeige ich anhand eines realen Falls aus der Praxis, wie Klärungshilfe im Unternehmenskontext wirksam zur Lösung beitragen kann – insbesondere, wenn klassische Führungsinstrumente an ihre Grenzen stoßen.

Der Auslöser: Wenn Führung nicht mehr ausreicht

Eine stille, aber zugewandte Führungskraft – Frau A – leitet nach einer Fusion die Querschnittsabteilung einer Bank. Als sich die Spannungen im Team zuspitzen, bittet sie um Unterstützung: Klärungshilfe in Form einer begleiteten Konfliktklärung mit dem gesamten Team.

Ihre Schilderungen lassen auf eine eskalierte Situation schließen:

    • Feindselige, aufgeladene Arbeitsatmosphäre
    • Lautstarke Auseinandersetzungen und sogar Werfen von Gegenständen
    • Kommunikationsverweigerung zwischen einzelnen Teammitgliedern
    • Lagerbildung, gegenseitiges Anschwärzen und Ausgrenzung
    • Egoismen und destruktives Verhalten auf Kosten der Zusammenarbeit

Obwohl die formale Teamintegration zunächst funktionierte, verschärfte sich das anfangs harmlose „Fremdeln“ zunehmend. Die Ursache? Zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen und eine ungelöste Führungsthematik.

Die verdeckte Dynamik: Macht, Verletzungen und Loyalitäten

Ein zentraler Konfliktherd war die neue Führungsstruktur. Frau A übernahm die Leitung – nicht aber Herr B, der zuvor das halbe Team geführt hatte. Diese Entscheidung wurde vom Vorstand nicht kommentiert – was Raum für Spekulationen und Kränkungen ließ.

Während Frau A betonte, dass sie mit fast allen Mitarbeitenden einen guten Draht habe, blieb das Verhältnis zu Herrn B schwierig. Die Spannung zwischen den beiden – gepaart mit der emotionalen Aufladung im Team – führte zu einer kaum kontrollierbaren Dynamik.

Vorgespräche und Vorbereitung auf die Klärungshilfe

Trotz anfänglicher Skepsis wurden vor der eigentlichen Klärungshilfe zahlreiche Einzelgespräche mit Mitarbeitenden geführt. Dabei traten weitere Konfliktlinien und emotionale Belastungen zutage:

    • Tiefe Verzweiflung und Angst vor der Zukunft
    • Sorge vor körperlichen Auseinandersetzungen
    • Unverarbeitete Verletzungen und Kränkungen
    • Hoher Wunsch nach Veränderung – gepaart mit Angst vor der Klärung selbst

Die Erkenntnis: Der Bedarf an Klärung war enorm – aber auch die emotionale Belastung aller Beteiligten.

Die Wirkung der Klärungshilfe: Ein Raum für Wahrheit und Verständnis

Die mehrtägige Konfliktklärung war emotional intensiv und fordernd – aber sie wirkte. Mithilfe von Methoden aus der systemischen Beratung und der Klärungshilfe wurde ein Raum geschaffen, in dem Wahrheit ausgesprochen, Emotionen benannt und gegenseitiges Verstehen möglich wurden.

Zentrale Erkenntnisse:

    • Herr B fühlte sich übergangen und in seiner früher hoch geschätzten Arbeitsweise nicht mehr gesehen – eine Kränkung, die ihn blockierte.
    • Frau A erlebte sich machtlos gegenüber Herrn B, obwohl sie formal die Leitung innehatte – faktisch jedoch untergraben wurde.
    • Das Team steckte fest zwischen Loyalitäten, Mitgefühl und eigenen Verletzungen – und sehnte sich zugleich nach Klarheit und einer tragfähigen Zukunft.

Ergebnisse der Klärungshilfe: Von der Eskalation zur Aussöhnung

Durch die intensive Arbeit im Rahmen der Klärungshilfe konnten folgende Entwicklungen angestoßen werden:

    • Emotionale Entlastung und Beruhigung der Konfliktdynamik
    • Echtes gegenseitiges Verständnis und neue Perspektiven
    • Konkrete Vereinbarungen zur Zusammenarbeit
    • Wiederherstellung von Vertrauen und Kommunikation
    • Ein gemeinsames Bekenntnis zur Zukunft des Teams

Ein halbtägiges Follow-up vier Monate später stellte sicher, dass die vereinbarten Veränderungen auch nachhaltig wirken konnten.

Fazit: Klärungshilfe als Schlüssel zur Transformation

Klärungshilfe ist weit mehr als nur ein Werkzeug zur Konfliktlösung – sie schafft einen sicheren Raum für Wahrheit, Begegnung und Transformation. In hoch eskalierten Teamsituationen, in denen klassische Führung versagt oder überfordert ist, kann sie den entscheidenden Wendepunkt markieren.

In diesem Fall haben alle Beteiligten – insbesondere Frau A und ihr Team – enormen Mut und Herz gezeigt. Sie sind durch einen herausfordernden Prozess gegangen und haben sich mit sich selbst und miteinander auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Klarheit, Verständnis und neue Handlungsfähigkeit.

Systemische Klärungshilfe wirkt. Dann, wenn der Mut zur Wahrheit da ist.
Ob sich der Aufwand einer Klärung im konkreten Fall rechnet, lässt sich abschätzen. Eine Übersicht typischer Konfliktkosten im Unternehmen finden Sie in diesem Beitrag.

Sind Sie auch interessiert an einer Klärungshilfe in Ihrem Team?